Menschen reden über verschiedenste Themen und wir haben das Glück zu jedem eine ganz eigene Meinung haben zu dürfen. Manche Themen sind etwas persönlicher und zugleich auch sensibler als andere. Hierzu gehören Themen wie Politik und Religion. Au Pairs sollten sich immer fragen, ob sie hierüber wirklich mit der Gastfamilie reden sollten oder nicht.

Mit vielen unterschiedlichen religiösen und politischen Richtungen ist es oft schon schwer, vernünftige Gespräche mit Freunden und Familie zu führen. Und kommen erst die Feiertage, sind Diskussionen vorprogrammiert. Manche Meinungen scheinen sehr radikal für die Gegenseite. Aber die Familie bleibt weiterhin Familie und Freunde bleiben Freunde. Es sei denn, Meinungen weichen deutlich von der eigenen ab und scheinen für den anderen nicht akzeptabel zu sein. Da scheint ein Kontaktabbruch auch zu Familienmitgliedern für den Moment die richtige Entscheidung zu sein.

Religion und Politik – beides sind Themen, die zu einigen Problemen führen können. Innerhalb und außerhalb der Familie. Es reicht nur ein Gedanke daran, wie viele Kriege auf verschiedenen politischen oder religiösen Ansichten beruhen.
Als Au Pair und somit als neues Familienmitglied in einem neuen Land müssen solche Themen sehr vorsichtig behandelt werden. Beide Seiten sollten wirklich darüber nachdenken, ob man wirklich darüber sprechen muss.

Religionsfreiheit

Die Freiheit, die eigene Religion auszuleben ist ein Privileg, das wir in den meisten Teilen der Welt ausleben dürfen. Menschen können beten wann sie wollen, egal ob in der Kirche, in der Moschee, in der Synagoge oder im Tempel.
Wenn jemand bestimmte Gerichte aus religiösen Gründen nicht essen möchte, sollten Gastfamilien und Au Pairs immer darüber sprechen und eine Lösung finden. Sowas sollte jedoch nie ein Grund sein, nicht miteinander leben zu wollen.

Ein Au Pair sollte die Zeit bekommen, die Religion praktizieren zu können. Natürlich muss das Au Pair sicherstellen, dass die Familie immer Priorität hat und wenn der Zeitplan des Au Pairs beispielsweise um zu beten mal nicht in den Plan der Familie passt, muss das Au Pair das akzeptieren. Die Gastfamilie kann dem Au Pair aber nicht verbieten, die Religion auszuüben.

Religion ist definitiv ein Thema über das beide Seiten vor dem Au Pair Aufenthalt sprechen müssen, damit klar gestellt werden kann, dass beide damit einverstanden sind, unter diesen Bedingungen miteinander zu leben und um Missverständnisse in der Zukunft zu vermeiden.

Während des Aufenthalts kann Religion ein Thema sein, aber andere Meinungen zu bestimmten Themen sollten immer respektiert werden. Wenn festgestellt wird, dass das Gespräch in die Richtung einer ernsten Diskussion geht, ist es besser, das Thema zu wechseln und nicht mehr darüber zu reden.

Manchmal lebt das Au Pair mit einer sehr offenen Familie, die absolut kein Problem mit den religiösen Ansichten des Au Pairs hat. Lebt die Familie aber in einer sehr religiösen Gegend des Landes, obwohl sie nicht sehr religiös sind, ist es besser diese Themen in Gesprächen mit Nachbarn und Bekannten zu vermeiden.

Politik – nicht ganz so einfach

Ein ganz anderes Thema und vielleicht ein noch sensibleres ist Politik.
Warum ist das so? In der Politik gibt es so viel mehr Richtungen als nur Demokrat, Liberaler, Republikaner, links oder rechts. Insbesondere Richtungen wie die Liberale sind in allen Ländern völlig unterschiedlich. Politik beinhaltet aber auch Themen wie Klimawandel und die globale Erwärmung, Migration, nationale und internationale Wirtschaft und vieles mehr.

Ein Au Pair kommt oft aus einem Land mit einer gänzlich anderen Politik als der des Gastlandes. Wenn das Au Pair sehr jung ist, hatte er oder sie bisher noch nicht viel mit Politik zu tun. Die erste Demo steht noch bevor, persönliche Ansichten haben sich noch nicht so sehr entwickelt, stand das Au Pair bisher doch eher unter dem Einfluss von Freunden und Familie. Sie haben noch nie selbst für ihre Krankenversicherung bezahlt, hatten keinen sozialversicherungspflichtigen Job und haben noch nie Steuern bezahlt. Sie sind zur Schule gegangen, kennen das Bildungssystem des Heimatlandes und das war es auch schon.

Menschen haben ganz unterschiedliche politische Ansichten. Besonders im eigenen Land. Wenn sie gut informiert sind, wissen sie die meiste Zeit auch, wovon sie reden. An Feiertagen erklärt die Familie dem neuen Mitglied, warum dieser Feiertag im Gastland gefeiert wird und lassen womöglich auch eine eigene Meinung einfließen. Insbesondere an Feiertagen, an denen die ganze Familie zusammenkommt und über Politik, Steuern, die Regierung, das Sozialversicherungssystem und was ihnen sonst so in den Kopf kommt, spricht, kann es schon einmal krachen. Es ist wichtig Konversationen wie diese zu haben. Kinder lernen bereits über das bloße Zuhören etwas über diese Themen. Und dennoch ist es schwierig, diese Konversationen im Allgemeinen zu führen.

Ein Au Pair ist neu in einem Gastland, kennt seine Geschichte nicht, geschweige denn seine Politiker. Es ist schwer für sie oder ihn wirklich eine Konversation darüber zu führen.

Themen wie Migrationsgesetze und Flüchtlinge sind sehr schwierig und sollten am besten gar nicht diskutiert werden. Manchmal ist es einfach besser, gewisse Gespräche zu beenden oder sie gar nicht erst zu beginnen.

Als Gastfamilie oder Au Pair ist es immer wichtig, erst genügend Informationen einzuholen und sich Gedanken darum zu machen, bevor man darüber spricht. Die Gastfamilie kann durch Kommentare des Au Pairs über die Politik des Landes genauso getroffen werden, wie das Au Pair, wenn die Gastfamilie sich zu seinem Heimatland äußert, die Informationen aber nur beim Sofatratsch aufgeschnappt hat.

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