von Mona Briese

Wir haben mit Timo gesprochen, einem männlichen Au Pair und er hat erklärt, warum es so schwierig ist, als Mann Au Pair zu werden und wo er Support gefunden hat.

Timo, ist ein netter 19-jähriger Typ, voll mit Energie und will die Welt entdecken. Nachdem er die Schule beendet hat, entschied er sich dazu die Welt sehen zu wollen und noch mehr Erfahrung in der Kinderbetreuung zu sammeln. Für viele Jahre hat er als Betreuer in Ferienlagern gearbeitet. Als er den Entschluss fasste, ins Ausland gehen zu wollen, schien das Au Pair Programm genau die richtige Entscheidung zu sein.

„Niemand war wirklich von meiner Idee begeistert ein Jahr ins Ausland zu gehen, aber einige meiner Freunde, die bereits Auslandserfahrung hatten, haben mich motiviert und gesagt, dass ich die Chance nutzen soll.“

Die Vorbereitung

Timo hat viele Informationen zu dem Au Pair Programm gefunden. Als er las, dass es auch für ihn als Mann möglich sei daran teilzunehmen, entschied er sich dazu, in die USA gehen zu wollen. Während unserem Interview scheint es wirklich so, als habe sich Timo besser auf das Jahr als Au Pair vorbereitet, als so manche junge Frau. Er hat sich ein Buch über das Programm gekauft und hat nach verschiedenen Agenturen im Internet gesucht. Zwei Agenturen machten einen guten Eindruck auf ihn, also bestellte er ihre Broschüren, schaute aber dennoch weiter nach anderen Agenturen. Schließlich traf er eine Entscheidung, mit welcher Agentur er sein Abenteuer starten wollte und begann den Bewerbungsprozess.

Wie jedes andere Au Pair musste Timo auch mit seiner Familie und seinen Freunden über seinen Plan, ein männliches Au Pair zu werden, sprechen. Eltern machen sich immer Sorgen und manchmal sogar auch etwas zu viel. Er solle doch erst eine Ausbildung machen oder zur Universität gehen, damit er nach seiner Rückkehr aus dem Ausland gleich ins Berufleben starten könne. Aber wann ist der Zeitpunkt in ein anderes Land zu gehen besser, als gleich nach der Schule? Er erklärte seine Gründe, warum er diesen Schritt gehen wollte und überzeugte alle davon, dass er die richtige Entscheidung traf.

Auf ins Abenteuer

Timo begann den Bewerbungsprozess, sammelte seine Referenzen und wartete auf eine Rückmeldung, sobald alle Dokumente in die USA zur Partneragentur geschickt wurden.
Viele Familien verschwenden nicht einmal einen Gedanken daran, ein männliches Au Pair aufzunehmen. Ein Mann, der es mag auf Kinder aufzupassen – alle kennen die bekannten Vorurteile. Eltern haben Angst davor, dass sich ein Mann um ihre Kinder kümmert, obwohl es keinen Grund dafür gibt, dieser Person nicht zu vertrauen. Für Timo schien es jedoch sehr einfach, eine Gastfamilie zu finden und wurde von einigen Familien kontaktiert, die explizit nach einem männlichen Au Pair suchten. Er erzählt, dass manche seiner Freunde mit 10 bis 12 Familien sprechen mussten, bis sich eine Familie für sie entschieden hat.

Being a male au pair

Für Timo erscheint es nicht plausibel, dass manche Agenturen von männlichen Au Pairs mehr Stunden an Erfahrung in der Kinderbetreuung erwarten, als von jungen Frauen. „Ich verstehe es nicht wirklich. Was ist denn mit der Gleichberechtigung, von der immer alle sprechen? Männer können genauso gut auf Kinder aufpassen, wie Frauen. Ich sehe hier gar kein Problem. Für mich war es super, eine Agentur zu finden, die männliche und weibliche Au Pairs gleich behandelt.“ Für ihn gibt es keinen Unterschied zwischen  ihm und weiblichen Au Pairs.

„Jeder kann an etwas scheitern oder in manchen Situationen verzweifeln und jeder geht damit auf seine eigene Art um. Es kommt dabei nicht auf das Geschlecht an, sondern auf die Situation und darauf wie jeder individuell mit dieser Situation umgeht.“

Aber er weiß auch, dass er in manchen Situationen anders handeln muss: „Dank der Medienberichte, die sicher auch ihre Berechtigung haben, haben Männer ein schlechtes Image, was Kinderbetreuung angeht. Das macht den Job nicht einfacher. Kinder haben ihre Momente, in denen sie deine Nähe suchen, aber als Mann kannst du ihnen diese Nähe nicht einfach so geben, wie eine Frau, ohne dich gleich in eine Situation zu bringen, wo Leute denken, dass du dich jetzt strafbar machst. Wenn Eltern eine falsche Vorstellung von Männern in der Kinderbetreuung haben, ist es schon eine Tragödie, wenn das Kind auf dem Schoß eines Mannes sitzt. Als Mann muss man lernen objektiv zu sein und sensibel mit dem Thema umzugehen.“ Der 19-Jährige denkt nicht, dass das Geschlecht irgendwas über die Kenntnisse oder die Kompetenz aussagt. Obwohl Frauen vielleicht den mütterlichen Instinkt haben, hieße dies nicht, dass sie auch gut darin sind, ein Kind zu erziehen. Enthusiasmus und Freude seien neben Erfahrung und Wissen gleichermaßen wichtig.

Seine Argumente klingen plausibel. Er weiß offensichtliche wovon er spricht und scheint eingroßartiger Kandidat für jede Familie, die nach einer Kinderbetreuung sucht, zu sein.

„Besonders in Zeiten von modernen Familien spielen Männer eine wichtige Rolle. Wenn es immer weniger männliche Betreuer in Schulen und Kindergärten gibt, fehlt Kindern oft eine männliche Bezugsperson. Dies ist besonders dann wichtig, da es viele Familien ohne Mann im Haushalt gibt.“

Er erklärt weiter, dass es heutzutage egal sein sollte, ob ein Kind aus einer Patchwork-Familie kommt, mit einem Elternteil lebt oder einem gleichgeschlechtlichen Paar. Es sei wichtig, dass das Kind lernt sowohl Männern als auch Frauen auf gesunde Art zu vertrauen.

Leben mit der Gastfamilie

Für seine Gastfamilie ist Timo das erste männliche Au Pair. Als die Gastmutter ihren Kindern erzählte, dass das nächste Au Pair ein junger Mann sein würde, waren die Kleinen sich noch nicht ganz so sicher, was sie denken sollen. Doch mit jedem Skype-Telefonat schienen sie sich an den Gedanken zu gewöhnen. Heute nimmt Timo an allen Familienaktivitäten teil, sie gehen wandern und sind sehr aktiv. Die Eltern sprechen mit ihm über alles, was wichtig ist. Sie haben wirklich verstanden, wie wichtig es ist, miteinander zu kommunizieren. Nachdem sie zwei Nannies und zwei Au Pairs hatten, sind sie schon im Training und wissen, wie sie mit einem neuen Familienmitglied umgehen müssen.

Timo bringt seine Gastkinder zur Schule und holt sie ab. Er bringt sie zu anderen Aktivitäten und organisiert Playdates und Ausflüge. Die meisten Ausflüge unternimmt er mit anderen Au Pairs und ihren gastkindern, damit es auch für ihn nicht langweilig wird und seine Schützlinge auch andere Kinder kennenlernen.

„Obwohl ich meine Meinung bestimmt noch ein paar Mal ändern werde, weil während des Aufenthalts einiges passieren kann, würde ich im Moment sagen, dass ich jederzeit wieder an dem Au Pair Programm teilnehmen würde.“

 

 

 

This post is also available in: Englisch