Manchmal treibt es uns raus in die Natur. Wir möchten atmen, Ruhe haben und uns auf das Wesentliche konzentrieren. Verbunden mit Bewegung an der frischen Luft finden wir zu uns und können entspannen.

Wandern gibt uns genau diese Entspannung. Umgeben von Bäumen und Wiesen laufen wir 10, 15, 20 Kilometer am Tag. Alleine oder in einer Gruppe, im Kreis oder eine lange Strecke, die uns von einem Punkt zu einem anderen bringt. Langstreckenwanderungen sind für viele outdoor-begeisterte Menschen der perfekte Urlaub. Man hat Bewegung und sieht Neues. Abends fällt man erschöpft auf die Isomatte im Zelt oder ins Bett im Hostel. Doch obwohl man sich bei einer Wanderung mit höchstens 15 Kilo belädt und somit nur das Nötigste mit sich trägt, kostet so ein Urlaub doch etwas.

Aber müssen es immer hohe Kosten sein? Nein! Auch mit geringem Budget kann man das Abenteuer Long Distance Hiking starten.

Einer der wohl schönsten Wege Europas ist der West Highland Way in Schottland. Über 154 km zieht sich der Weg durch grüne, märchenhafte Wälder, über Hügel, am Loch Lomond entlang und durch raue Moore von Milngavie (gesprochen: Millguy), einem kleinen Vorort von Glasgow bis nach Fort William. Er ist in 8 Tagen zu laufen, man kann sich aber auch die Zeit nehmen, kürzere Etappen laufen und den Weg in 12 bis 14 Tagen erwandern. Sehr ambitionierte und sportliche Wanderer laufen ihn auch in 5 Tagen. Aber wo bleibt da die Entspannung?

Teure Ausstattung?

So eine Wanderung erfordert einiges an Equipment und oft ist es eben dieses, was ins Geld geht. Doch man muss nicht gleich alles selber kaufen, sondern kann sich auch einiges leihen und die eigenen Besitztümer von Wanderung zu Wanderung aufstocken. Zunächst verschafft man sich einen Überblick über die Dinge, die man tatsächlich mitnehmen muss.

Dies ist eine Liste der Dinge, die auf dem West Highland Way nicht fehlen dürfen.

Trekkingrucksack 50 l
Wanderschuhe
Trekkinghose mit Zippern
Wandersocken
Funktions-T-Shirts
Fleecejacke
Regenjacke
Regenhose
Mütze gegen die Kälte
Kappe gegen die Sonne
Flip Flops
Wanderführer
Trekkingstöcke – sehr zu empfehlen
Isomatte
Schlafsack
Ohropax
Duschgel & Shampoo
wenn ihr euch auch mal in einer Quelle wascht, greift zu einer natürlichen Seife, die die Umwelt nicht verschmutzt
Zahnpasta
Handtuch – Mikrofaser oder Bolero
Gaskocher
Campingbesteck und -geschirr
Zelt (falls ihr nicht im Hostel schlaft)
Erste-Hilfe-Kit
Reiseapotheke
Stirnlampe
Toilettenpapier
feuchtes Toilettenpapier
Schaufel für das Waldklo
Zeckenzange
Smidge gegen die gemeinen Midges
Adapter
Dokumente – Reisepass, Krankenversicherungskarte, EC/Kredit-Karte

Die richtige Kleidung muss natürlich gekauft werden. Diese trägt man allerdings nicht nur einmal und nicht immer müssen es die teuersten Dinge sein. Auch die Wanderschuhe sollten natürlich nicht ausgeliehen werden. Hier ist es wichtig, das richtige Schuhwerk zu kaufen. Geschäfte wie Globetrotter bieten hier eine umfangreiche und freundliche Beratung. Kauft die Schuhe nicht einfach online. So sind Blasen garantiert. Einmal das richtige Geld in die Schuhe gesteckt, hat man auch diese für eine lange Zeit.

Geheimtipp: Schmiert die Füße jeden morgen mit einer dicken Schicht Vaseline ein. Fühlt sich erstmal komisch an, bringt euch aber blasenlos durch Schottland.

Anderes Equipment, wie das Zelt, die Matte, den Schlafsack, den Gaskocher etc. kann man sich ausleihen. Wenn man keine Wanderer als Freunde hat, kann man auch immer in verschiedenen Facebook-Gruppen fragen, ob jemand aushelfen kann. So spart ihr sicher ein paar hundert Euro.

Tipps, wie der Rucksack richtig gepackt wird, findet ihr hier.

Auf geht’s!

Und dann geht es los, auf den West Highland Way.
Die Etappen lassen sich auf eine Woche, aber auch auf zwei Wochen aufteilen. Es ist wichtig daran zu denken, dass eine Wanderung kein Wettrennen ist und jeder sein eigenes Tempo hat.

Um das Budget zu schonen, bietet es sich an, mit dem Zelt auf Campingplätzen unterzukommen. Doch auch wildcampen ist in Schottland erlaubt. Lediglich auf einem Stück entlang des Loch Lomonds ist es nicht erlaubt, sein Zelt einfach irgendwo aufzuschlagen. Hier gibt es jedoch günstige Campingplätze (etwa 6 Pfund pro Nacht), die sogar schöne Bäder bieten, in denen man nach einer anstregenden Etappe heiß duschen kann.

Muss ich jetzt verhungern?

Immer wieder liest man auf dem Weg an kleinen Geschäften, dass dies für eine lange Zeit die letzte Möglichkeit ist, noch etwas zu essen zu kaufen. Es gibt jedoch überall kleine Geschäfte, in denen man Obst, Milch, Käse, Brot sowie Trocken- und Dosenspeisen kaufen kann.  Ein paar Snacks solltet ihr euch definitiv mitnehmen, aber die 500 g Nudeln und das Glas Pesto könnt ihr euch sparen.  Jedes Gramm zählt und Essen kann bei vielen definitiv über 1 Kilo mehr auf dem Rücken bedeuten.  Erst auf der zweiten Hälfte des Weges, solltet ihr euch Proviant mitnehmen. Hier bleiben die kleinen Stores mitten im Moor aus.
Wenn ihr wirklich nur selber kocht und auf Pubs und Restaurants verzichtet, kommt ihr mit 10 bis 15 Pfund definitiv hin. Wasser gibt es in Schottland oft an Hähnen vor Restaurants oder Hotels. Aber man kann auch frisches Quellwasser trinken. Oft wird geraten, das Wasser erst zu reinigen. Es ist aber kein Muss.
Achtet darauf, dass die Quelle nicht in direkter Nähe zu einer Schaf- oder Kuhweide liegt. Hier sollte das Wasser wirklich abgekocht werden.
Für kulinarische Überraschungen sorgen Boxen, Regale oder kleine Unterstände entlang des Weges. Hier haben die Anwohner, die in der Nähe des Weges wohnen oft Getränke oder Snacks hinterlegt. Und die Schotten sind toll. Sie vertrauen auf die Ehrlichkeit der Wanderer und haben eine Spardose aufgestellt, in die man den Pfund für eine Dose Cola schmeißen kann. Manche Anwohner backen sogar selber und stellen Schüsseln mit verschiedenen Cookies an den Wegrand. Verhungern muss man auf dem Weg definitiv nicht.

Kleines Budget – auf nach Schottland!

Mit begrenztem Budget sollte man wirklich auf ein Zelt setzen oder Unterschlupf in einem „Bothy“, einer Schutzhütte, die oft einen Kamin hat und ansonsten den kahlen Boden oder ein paar Holzpritschen bietet, suchen.

  • Zeltplätze auf Campingplätzen kosten zwischen 5 und 10 Pfund pro Person und Nacht
  • Hostels  liegen bei 15 bis 25 Pfund pro Nacht und Person
  • Bed & Breakfasts gibt es überall, kosten jedoch 30 Pfund und mehr aufwärts
  • Hotels sind für eine Low Budget-Reise raus

Insbesondere für Au Pairs im Vereinigten Königreich oder in Europa ist eine solche Wanderreise definitiv zu empfehlen. Städte lassen sich auch an freien Wochenenden erkunden, aber eine abenteuerliche Reise in die Highlands braucht Zeit und nach zwei Wochen würdet ihr am liebsten für immer in euer Zelt ziehen und dort bleiben.

 

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